Loslassen. Doch was wenn es weh tut?
- Corina Zahner

- 10. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Nun ist er also da.
Der Moment, von dem ich wusste, dass er kommen wird.
Eine meiner Schwestern zieht weg. Nicht ans andere Ende der Welt. Nicht unerreichbar weit. Und trotzdem fühlt es sich an, als würde in mir etwas brechen.
Versteht mich nicht falsch. Ich freue mich von Herzen für sie. Sie zieht zu ihrem Lieblingsmenschen. Darf ein neues Zuhause aufbauen. Darf gemeinsam mit der Person, die sie liebt, einen neuen Lebensabschnitt beginnen.
Und wenn man jemanden liebt, dann wünscht man sich genau das: Dass sie glücklich ist. Dass sie ihren Weg geht. Dass sie ankommt.
Und trotzdem ist da dieses Gefühl. Diese Angst.
Diese scheiss Angst.
Die Angst davor, dass sich etwas verändert. Dass unsere Beziehung sich verändert. Dass der Alltag sich verändert. Dass das Leben sich verändert.
Und wenn ich ehrlich bin, macht mich genau das manchmal wahnsinnig.
Veränderungen gehören zum Leben - das weiss ich. Aber wissen und fühlen sind manchmal zwei völlig verschiedene Dinge. Ich wünschte, Loslassen würde mir leichter fallen.
Doch so funktioniert mein Herz nicht.
Es freut sich. Und gleichzeitig trauert es um etwas, das noch gar nicht vorbei ist.
Vielleicht, weil ich weiss, dass nichts für immer gleich bleiben kann. Vielleicht, weil ich mir manchmal wünsche, die Zeit hätte etwas langsamer laufen dürfen.
Mehr gemeinsame Abende. Mehr Gespräche. Mehr Erinnerungen. Mehr Zeit.
Und gleichzeitig frage ich mich manchmal, ob ich während der vergangenen Zeit eine gute Schwester war. Ob ich genug da war. Genug zugehört habe - vielleicht kennt ihr dieses Gefühl. Dieses Bedürfnis, noch schnell alles richtig machen zu wollen, bevor sich etwas verändert.
Als könnte man dadurch verhindern, dass das Leben weiterzieht.

Wisst ihr, ich bin die Älteste von uns. Vielleicht spielt das eine Rolle. Vielleicht aber auch nicht. Aber ich spüre oft eine Verantwortung für meine Schwestern, die sich schwer in Worte fassen lässt. Ich möchte, dass es ihnen gut geht. Dass sie sicher sind. Dass sie glücklich sind.
Und obwohl ich weiss, dass sie ihren Weg gehen müssen, gibt es einen Teil in mir, der sie am liebsten immer ein bisschen nah bei sich behalten würde. Nicht aus Besitz. Sondern aus Liebe.
Vielleicht ist genau das die Kehrseite davon: Je mehr wir lieben, desto schwerer fällt manchmal das Loslassen.
Und vielleicht tut es auch deshalb so weh, weil Loslassen sich manchmal wie Verlieren anfühlt - obwohl man in Wahrheit gar nichts verliert.
Die Nähe verändert sich. Der Alltag verändert sich. Gewohnheiten verändern sich.
Aber Liebe?
Die bleibt.
Vielleicht nicht immer gleich. Vielleicht anders. Vielleicht auf Distanz. Vielleicht mit längeren Wegen, weniger spontanen Besuchen, weniger “ich chumä gschnell verbii”. Aber sie bleibt.
Und vielleicht muss ich genau das lernen: Dass Veränderung nicht automatisch bedeutet, dass etwas weniger wird. Vielleicht wird es einfach anders. Vielleicht braucht es neue Rituale. Neue Wege, Nähe zu halten. Neue Formen von Verbundenheit.
Und vielleicht darf ich traurig sein, obwohl ich mich freue. Vielleicht darf beides gleichzeitig da sein.
Freude und Angst.
Stolz und Wehmut.
Loslassen und trotzdem fest verbunden bleiben.
Vielleicht schreibe ich diesen Text genau deshalb. Nicht, weil ich Antworten habe. Nicht, weil ich besonders gut darin bin, loszulassen.
Sondern weil Schreiben für mich manchmal der Ort ist, an dem Gefühle etwas leiser werden. Der Ort, an dem sie einfach sein dürfen. Und vielleicht liest das gerade jemand, der dieses Gefühl kennt. Der jemanden ziehen lassen muss und dabei selbst nicht weiss, wohin mit all dem.
Dann vielleicht nur so viel:
Du darfst jemanden loslassen und ihn trotzdem vermissen - auch wenn rundherum alle sagen: „Ach, es ist doch gar nicht so schlimm.“
Du darfst dich freuen und gleichzeitig traurig sein.
Du darfst wissen, dass etwas gut ist - und trotzdem wünschen, es würde nicht wehtun.
Und an meine Schwester:
Du kennst mich. Ich bin nicht besonders gut darin, solche Dinge auszusprechen. Geschriebene Worte waren schon immer ein bisschen mehr meine Sprache. ;)
Ich wünsche dir von Herzen, dass du glücklich bist. Dass du an deinem neuen Ort Menschen findest, die dir guttun. Dass du dich zuhause fühlst. Dass du dein Strahlen nie verlierst.
Und dass du immer weisst, wie sehr du geliebt wirst.
Egal, wohin das Leben dich trägt.
Denn gewisse Dinge verändern sich nie. Und dazu gehören wir.
Und ich werde nie vergessen:
Bevor ich irgendetwas anderes war, war ich deine grosse Schwester.
Und das werde ich immer bleiben.




Zmitzt is Härz und gaht so ä
ähnlichi Situation mit minere Schwöschter❤️🥹
...Du schriibsch mir us dä Seel, als Mami...🥹🫶
Super süess🥹❤️